Sonntag, 21. September 2014

Samstag, 06.09.2014: Almost

Am folgenden Samstag erreichten Vasylyna aus der Ukraine und Francesco aus Italien Warschau. Sie wohnen beide in Gocław, Vaska arbeitet in der Foundation und Francesco in meinem Kindergarten. Da es der erste Tag ohne Termin am Morgen war, schliefen wir uns und erkundeten danach den „nahen“ Wald. Ganz so nah war er dann jedoch nicht – wir mussten ein Pärkchen und das Metro-Depot passieren, bevor wir hinter einer Ecke endlich den Waldesrand erspähten. Der Wald ist recht groß, mit hohen, dürren Bäumchen, die viel Licht durchlassen und eine Märchenwaldatmosphäre zaubern. Viele Familien, Jogger und Radfahrer nutzen die Waldwege zum Sporttreiben oder Entspannen.
Des Nachmittags wollten wir eigentlich alle zusammen Francesco vom Bus aufklauben, aber als wir Kabaty-Mädels dort ankamen, war weit und breit niemand zu sehen. Ein kurzer Blick aufs Handy verriet uns: „Francesco ist schon angekommen, wir holen ihn jetzt ab. Ihr könnt auch zum Centrum kommen oder dann in unsere Wohnung, ok?“ Ja, das war okay, mit dem kleinen Haken, dass die Nachricht vor etwa einer Stunde eingetroffen war. Also nahmen wir den Bus gen Gocław und machten uns miteinander bekannt. Und weil Elodie gern shoppen gehen wollte und Vaska nach ihrer 17-stündigen Reise in einem sehr unkomfortablen Bus noch immer nicht genug hatte, starteten wir alsbald unsere erste Shoppingtour in das neuste Einkaufszentrum Warschaus, Złote Terasy, direkt am Hauptbahnhof. Der Bau besticht durch sein gewelltes Dach und seinen mehretagigen Bau. Ganz oben ist eine ganze Etage nur für die kulinarischen Gelüste der Einkaufenden reserviert und da die Platzwahl beliebig ist, kann sich jeder dort etwas zu beißen holen, wo er will, und man kann dann trotzdem gemeinsam spachteln.


Die Herren der Schöpfung waren daheim geblieben, hielten nicht so viel von Shoppen. Aber am Abend wollten wir uns gern noch einmal Treffen. Suzi kam ganz spontan die Idee, doch in den berüchtigten Stadtteil Praga zu fahren und so nahmen wir den erstbesten Bus und suchten nach einem guten Pub. Wir fanden auch einen, mit russischer Live-Musik. Aber er war natürlich heillos überfüllt. Und weil es von Gocław nach Praga eine Weile dauert, flanierten wir ein wenig hin und her, kamen am längsten Haus Warschaus und einem Busbahnhof vorbei, fanden aber auch keine zweite Gelegenheit, einzukehren, außer der alten Wodka-Fabrik, wo gerade eine „zamknięta impreza” stattfand, und einer Kneipe, in der eine Hochzeit gefeiert wurden. Leider lud man uns nicht ein. Also zogen wir wieder von dannen. Fazit: Das einzig gefährliche an Praga sind Hunde, die größer als ihre Herrchen sind. Also keine Scheu, hier gibt es viel zu entdecken, auch nach 18:00 Uhr.
Als wir unseren Weg in Richtung Stadtzentrum fortsetzten, kamen uns Scharen von Menschen aus dem Stadion entgegen gepilgert. Aus reiner Neugier und verbleibender Zeit machten wir also den kleinen Abstecher, wurden aber einige Meter vor dem heiligen Inneren von einem Wachmann harsch abgewiesen, es wäre gerade ein Windsurfingfestival, der Eintritt koste … ich weiß nicht mehr genau, vielleicht 60 zł ... aber in 10 Minuten wäre es eh vorbei. So einer aber auch: Für diese 10 Minuten hätte er uns ruhig mal gratis gucken lassen können.

Der Kulturpalast


Freitag, 05.09.2014: Multimedia-Fountain-Park

Neuer Tag, neues Glück, es war Freitag und wir brachen zu einer Kindergarten-Besichtigungstour auf. Jeder hatte etwa 10-15 min (jaja, es waren eher immer 30 min), um sich seinen Kindergarten und die Gruppen dort anzuschauen, in Kontakt mit den Erziehern zu kommen und einen ersten Eindruck zu erhaschen, während alle anderen draußen warteten. Da ich meinen ersten Eindruck nach fast zwei Wochen eh nicht mehr adäquat wiedergeben kann und ich meinen Kindergarten später noch einmal ausführlich vorstellen werde, verzichte ich hier auf großartige Beschreibungen. Hinterher traf wir uns mit Marek im Park zu einer kurzen Auswertung, bevor jeder wieder seiner Wege ging und wir unser erstes gemeinsames WG-Essen kochten: Nudeln mit Tomatensoße. Für den Abend hatten wir uns mit der anderen Wohnung verabredet, um im Multimedia-Fountain-Park die Fontänen-Film-Licht-Show "The dance of sources" anzusehen, die jeden Freitag und Samstag in den Sommermonaten von Mai bis Ende September zu sehen ist. Wir waren reichlich zeitig da und es wurde bald etwas, nun ja, kühler. Nach der vielleicht 20-minütigen Show spürte ich mein Hinterteil vom vielen Sitzen nicht mehr, aber es hatte sich definitiv gelohnt. Kleine Filmausschnitte, die auf eine Wand aus Wasser projiziert wurden und zusammen eine süße Liebesgeschichte ergaben, wurden von simplen, aber nicht weniger eindrucksvollen Fontänen-Kompositionen abgewechselt. Unterlegt war das Ganze mit Musik verschiedener Stilrichtungen. Alles sehr romantisch …






New day, new luck, it was Friday and we had a tour to all kindergartens. Everyone got to know his or her mentors, all groups, the staff and the children. The others had to wait outside and could enjoy the really, really nice weather. We met with Marek, another coordinator of the foundation in a park and talked about our first impressions and our feelings.
In the evening we met for a multimedia fountain show in the identically named park and watched the fountain light show “The dance of sources”, which you can see every Friday and Saturday from may till September and which is amazing, with different music and beautiful pictures. Little movie sequences that are projected onto a wall of water tell a cute love story. Enjoy this little recording!

Donnerstag, 18. September 2014

Donnerstag, 04.09.2014: The Schuman Volunteers Theory

Der nächste Tag startete auch mit Orga-Kram, zum Beispiel erstellten wir eine Art Schaubild, woher wir unsere Sendeorganisationen und die Kindergärten sind. Außerdem begannen wir mit der Formulierung der TSVT (The Schuman Volunteers Theory) und in Anlehnung an das Einsteinsche Genie fanden wir heraus, dass ganz universell zu gelten scheint: E=mc²

Europe = mobility • capital • competence


Wir nutzten den freien Nachmittag oder das, was davon noch übrig war, um auf eigene Faust die Altstadt zu erkunden. Zufällig kreuzte einer der freien Warschau-Touren unseren Weg und kurzerhand schlossen wir uns an, nachdem wir so einladend dazu aufgefordert worden. Die Tour war auch wirklich gut, wir kamen an einer typischen Milchbar vorbei, einem Überbleibsel aus kommunistischen Zeiten, und wurden herzlich zum Probieren genötigt, wenn wir den "Geschmack des Kommunismus" kosten wollten. Weiter ging es zum Marie-Curie-Haus, dem Geburtshaus der weltweit bekannten Dame mit zwei Nobelpreisen, einem in Physik und einem in Chemie. Es ist sogar dir Fassade passend bemalt, mit dem Elementen Polonium und Radium, für deren Entdeckung sie den Chemie-Nobelpreis erhielt. Außerdem enthielt uns unser smarter Führer nicht vor, dass in der Familie Curie Nobelpreise an drei aufeinander folgende Generationen vergeben wurden. Wer jetzt also den Drang verspürt, mehr über diese grandiose Person zu erfahren, die außerdem als erste Frau einen Führerschein ablegte, sei hierdurch motiviert, eigene Nachforschungen anzustellen. Unsere Reise endete an einem Stück alter Ghettomauer.



Mittwoch, 03.09.2014: The end of "Hotel Mama"

Am nächsten Morgen trafen wir uns in der Foundation. Bis jetzt waren nur 4 Freiwillige angekommen, alle aus Deutschland. Martha aus Würzburg und Cornelius aus Leipzig bewohnen die Wohnung in Gocław, bei mir in Kabaty ist Frederike noch beheimatet. Der Morgen ging schon los wie ein survival-Camp. Wir haben einen Gasherd, kein Problem, nur hatten wir keine Streichhölzer, wollten aber doch gerne einen Tee oder Kaffee am Morgen trinken. Welch ein Glück, dass mir mein Vater vor der Abreise noch ein Feuerzeug aufschwatzt hatte. Doch das Feuerzeug zu zünden, schräg an die Platte zu halten, das Gas aufzudrehen und sich dabei nicht die Finger zu verbrennen war ein Meisterstück für sich. Mal davon abgesehen, dass eine Herdplatte nicht geht. Danke Papa, du hast unseren ersten Morgen gerettet, auch wenn sich später herausstellen sollte, dass es einen Knopf am Herd gibt, der einen Funken zündet.



Der zweite Dank gilt meiner Großmutter. Meine Eltern hatten mir mehrfach gesagt, ich solle doch ein bisschen Geld tauschen, damit ich im Zug auch mal aufs Klo gehen kann. In diesem Zuge sei sagt, dass es selbstverständlich kostenlos ist, im Berlin-Warszawa-Express aufs Klo zu gehen, diese aber in keinem besonders guten Zustand anzutreffen sind. Ich hatte natürlich kein Geld Geld getauscht, denn ich wusste ja, dass wir sofort nach der Ankunft unser Geld für September bekommen würden. Und ich bekam auch ganz richtig meine 800 zł Taschen- und Essensgeld, in acht 100 zł Scheinen. Als ich mir aber am nächsten Morgen mein Brötchen für knapp einen Złoty zu kaufen gedachte, war die Kassiererin unseres nahen Żabka-Ladens natürlich alles andere als erfreut. Wie gut, dass mir meine Oma einen Złoty und einen Grosz mitgegeben hatte. Danke Oma, du hast mein erstes Frühstück gerettet.
Am ersten Tag in der Foundation machten wir organisatorischen Kram (wie übrigens auch am zweiten Tag), holten uns unsere Nahverkehrsausweise, guckten ein bisschen in der Altstadt rum und aßen gemeinsam die vielleicht bekannteste aller polnischen Spezialitäten: Pierogi. Am Nachmittag holten wir dann Elodie vom Busbahnhof ab. Sie kommt aus Frankreich, Paris, und wohnt bei uns in Kabaty. Für die Gocław-Leute die einmalige Gelegenheit, unsere Wohnung kennenzulernen. Als Revanche luden sie uns zum Abendbrot in ihre Wohnung ein, wo es gleich noch eine polnische Spezialität gibt: Weißen Barszcz. Wir wärmten zwei Tütensuppen auf, die ich von der IGW mitgebracht hatte. Am Ende hatten wir zwar eher Wasser mit Geschmack und außerdem keine Kelle, dafür aber einen schönen Abend zusammen mit Suzi, der Freiwilligen aus Armenien, die schon seit einem guten halben Jahr ihren EVS macht.



Martha und Elodie beim Ausschenken der Suppe

Schnell noch ein Selfie mit Sebastian, der Pflanze in Gocław,
bevor es wieder nach Hause geht.

It was our first day and Frederike, one of my flatmates from Halle/Saale, and I wanted to make some tea. We have a gas cooker, but we had no matches. What a luck, that my father gave me a lighter before I left, but it was not easy to open the gas, switch on the fire and bring both together without burning oneselfs fingers. Thanks to my father.
The second thanks is to my grandmother, which gave me one złoty and one grosz before I left. Yes, of course, we got our food and pocket money when we arrived, but in 100 złoty notes. And the employee of our żabka (shop) was not happy, when I wanted to give her 100 zł for just one sandwich. My grandma saved my breakfast.
We did a lot of organisation stuff in the foundation. For lunch we met in the city and tried traditional pierogi with different fillings. In the evening we picked up Elodie, my French roommate, from the bus and visited first our flat in Kabaty and then the other flat in Gocław. Because we are 9 volunteers in total, we have two flats. In Gocław we cooked another typical Polish food, white borscht (barszcz biały). It was packet soup that I brought from IGW and I guess, we took too much water, so we had more water with taste than soup, but nevertheless a nice evening.

Dienstag, 02.09.2014: Reise und Ankunft

Jetzt ist die Zeit gekommen, um etwas zu schreiben. Das Internet ist endlich auch in unserer Wohnung in Kabaty angekommen. Mein Laptop zwar noch nicht, ab ich habe Hoffnung, dass er sich bald von seiner Krankheit erholt hat. Genau zwei Wochen sind vergangen, seit ich hier in Warschau angekommen bin. Eine typische Urlaubsdauer, nur mit dem Unterschied, dass ich weitere 9,5 Monate hier bleiben werde. Ich wollte eigentlich ausführlich über meine ersten Tage und Wochen berichten, doch angesichts der verstrichenen Zeit werde ich die letzten Wochen und Ereignisse nur grob umreißen und nur das Wichtigste etwas ausführlicher schildern. Ich beginne mal mit der Reise und Ankunft. Wie gut, dass ich viele Bilder gemacht habe, die meine Erinnerung unterstützen:

Irgendwann am Morgen holte mich ein Freund von Zuhause ab. Ich hatte eine Menge Gepäck bei mir, eine Tasche, einen großen Rucksack und noch einen kleinen für die wichtigen Dokumente. Mit dem ICE ging es in zwei Stunden nach Berlin. Ich bin schon oft nach Berlin gefahren, aber noch nie verging die Zeit so schnell wie an jenem Dienstag. Ob es daran lag, dass mir eine noch viel längere Reise bevorstand? Oder daran, dass ich die müßigen Stunden nutzte, um so abstrakte Vokabeln wie Wochentage und Monate zu lernen? Unglaublicherweise hatten wir in Berlin kaum Verspätung und so musste ich nicht von ganz unten nach ganz oben hetzen, sondern in aller Ruhe eine kleine Sightseeing-Tour durch den Bahnhof machen, der übrigens von Meinhard von Gerkan verworfen wurde, wie ich später in noch mehr müßigen Stunden Bahnfahrt las. Um 13:37 Uhr fuhr dann der äußerst schnittige Berlin-Warschau-Express ein. 



Mein Abteil in Wagen 269 teilte ich mir mit einem Asiaten, dessen schwierigen Namen ich mir leider nicht gemerkt habe, Alina und einer Polin, die gerade auf dem Heimweg nach Poznań war. Alina hatte letztes Jahr einen Freiwilligendienst mit kulturweit in Bosnien gemacht und wollte jetzt eine Freundin in Warschau besuchen. Wir sprachen so über dieses und jenes, lernten ein bisschen Chinesisch, stellten fest, wie ähnlich sich Polnisch und Bosnisch waren, und wurden sehr eindringlich vor polnischen Dieben gewarnt, obwohl ich gerade noch gelesen hatte, die Kriminalität würde in Polen abnehmen, ja die Polen hätten selbst ein Problem damit, aus östlicheren Ländern bestohlen zu werden. Wir passierten viele Bahnhöfe, die Landschaft war voller Wälder, Wiesen und Kühe. Und unterdessen las ich die passende Lektüre von dem bekanntesten Deutschen in Polen, Steffen Möller, "Expedition zu den Polen - Eine Reise mit dem Berlin-Warszawa-Express", übrigens ein sehr empfehlenswertes Buch, das ich nur zu lesen raten kann, denn alle Einzelheiten meiner Fahrt kann ich hier gar nicht wiedergeben. Ich kam also in Warschau an und wurde von Suzi, einer Freiwilligen, und Maja, Koordinatorin der Schuman-Stiftung, begrüßt. Wir machten uns auch gleich auf den Heimweg, immerhin war es schon halb 8 oder später, wir hatten etwas Verspätung gehabt, eine halbe Stunde etwa. Nennenswert ist aber der erste Eindruck von Warschau, der mich ganz unvorbereitet traf, als ich nichtsahnend aus dem Bahnhofsgebäude stiefelte: Direkt gegenüber ragte der einst stark polarisierende und heute von den meisten Einwohnern gern gesehene Kulturpalast, ein Geschenk Stalins, derart imposant in die Höhe, dass ich einen kleinen Moment baff war, als ich aufsah.




My journey started in the morning. A friend picked me up from home and brought me to the train station. A last view to the "paradise" and I left my home town for the next 10 months. I used the time to learn some abstract vocabulary such as days of the week or months. I never was that fast in Berlin or maybe it just felt like being fast because my trip should go on for 5 more hours. In Berlin I changes to Berlin-Warszawa-Express. In my section was a German girl that did an exchange last year with "kulturweit" to Bosnia and we had a lot to talk. Furthermore there was a Chinese guy and we tried some Chinese. An older woman that travelled back to Poznań warned us to be careful with our wallets because of Polish thieves.
In free moments I read a nice book of a German, Stefan Möller that has been living in Poland for a long time. I really recommend you to read this book, maybe it's available also in your language. The German title is "Expedition zu den Polen - Eine Reise mit dem Berlin-Warszawa-Express".
When I arrived at Warszawa Centralna, Maja, coordinator of the Schuman-Foundation, and Suzi, another volunteer, picked me and Martha up. Martha is from Würzburg and also volunteer. We left the train station and in front of it, there is the Cultural Palace, a gift of Stalin, and it was overwhelming to see it in the descending night.